Sornzig-Ablaß. Mit Zuversicht blickt Volkmar Winkler,
Bürgermeister der Gemeinde Sornzig-Ablaß, in das Jahr 2005, obwohl auch seine Gemeinde etliche
Hürden zu nehmen hat. OAZ sprach mit dem Gemeindeoberhaupt:
Frage: Welche Einschätzung könne Sie zunächst für das
Jahr 2004 geben?
Volkmar Winkler: Zufrieden können wir jedenfalls nicht sein, wenn man die Höhe der
Investitionen sieht. Es war ein Jahr der Superlative - in negativer Hinsicht. Mit einem
Vermögenshaushalt von 284 000 Euro hatten wir die geringsten Investitionen seit Bestehen
der Gemeinde Sornzig-Ablaß.
Gibt es auch etwas Positives zu berichten?
Ganz tatenlos waren wir natürlich nicht. Uns freut besonders, dass wir die Hauptleistungen zur
Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses in Sornzig realisieren konnten. Wichtige Investition war auch
die Beseitigung der Hochwasserschäden in Baderitz mit der Hangsicherung des Hasenbaches. Mit
Unterstützung der Gemeinde wurden einige Maßnahmen der Flurneuordnung in Angriff genommen und die
Mitarbeiter des Bauhofes nahmen Renovierungsarbeiten an den Kindertagesstätten vor.
Sie betonen aber auch, dass das Jahr 2004 für die Gemeinde ein sehr
wichtiges Jahr gewesen sei.
Wir haben einige Entwicklungskonzepte auf den Weg gebracht und damit Grundsteine für die
touristische Entwicklung der Gemeinde und der Region gelegt.
Können
Sie dafür Beispiele nennen?
Ich denke da in die Strukturplanung Bockelwitz-Kemmlitz-Glossen und die damit verbundene Vernetzung
touristischer Angebote und Entwicklungsschwerpunkte. Im Zusammenhang mit dem Leader-Projekt
Erlebniswelt Bahn wurde eine wirtschaftliche Machbarkeitsstudie für die Erweiterung der Strecke
Nebitzschen-Glossen erstellt. Das alles wurde möglich durch die konstruktive Zusammenarbeit von
Gemeinderat, Vereinen und Unternehmen.
Also Grund für
Optimismus?
Ja, auch was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft. Wir haben höhere Gewerbesteuereinnahmen zu
verzeichnen, und es wurden wichtige Investitionen getätigt. Als Beispiele möchte ich die
Natursaft Sachsen GmbH mit über 30 Millionen Euro in den Standort Ablaß, den
Neuaufschluss des Tagebaus Schleben-Crellenhain durch die Kemmlitzer Kaolinwerke, aber auch die
Obstland Dürrweitzschen AG, das Backhaus Wentzlaff und die Firma Rolltex nennen.
Eine gute Ausgangsposition also für das Jahr 2005?
Die finanzielle Situation ist wie in anderen Kommunen ebenfalls sehr angespannt. Wir können nicht
alles umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Um den Haushalt auszugleichen, war ein größer Griff
in die Rücklage nötig. Dennoch können wir mit über 900 000 Euro etwa dreimal soviel
investieren wie im vergangenen Jahr.
Auf welche Schwerpunkte
wollen Sie sich konzentrieren?
Wie schon angedeutet, die Wiederbelebung der Kleinbahnstrecke Nebitzschen-Glossen und die
Einrichtung eines Museumsbahnhofs in Glossen. Mit dem Projekt Eisenbahnerlebniswelt geht es auch
darum, überregional Leute für unsere Bahn zu werben. Mit der Landesgartenschau, den Angeboten der
Gemeinde und weiteren Ideen wollen wir gemeinsam das technische Denkmal erhalten. Außerdem sehen
wir darin eine Chance zur touristischen Entwicklung unserer Region.
Welche Bauvorhaben sind noch geplant?
Wichtig ist der grundhafte Ausbau des zweiten Bauabschnittes der Ortsdurchfahrt Kemmlitz als
Maßnahme des Landkreises, wobei wir die Nebenanlagen wie Gehwege, Straßenbeleuchtung und
Entwässerung realisieren. Auch weitere Werterhaltung an den Kindereinrichtungen sind geplant und
ich denke, noch im ersten Quartal kann der Bebauungsplan für das Industrie- und Gewerbegebiet
Ablaß als Voraussetzung für weitere Investitionen beschlossen werden. Wir werden natürlich auch
unsere Teilnehmergemeinschaften der Flurneuordnung unterstützen. Was mich besonders freut, ist die
Tatsache, dass die Kirchgemeinde Ablaß mit der Sanierung der Kirche befasst ist, die Fördermittel
ausgereicht wurden und viele Bürger und Unternehmen gespendet haben. Ähnliches sollte auch mit der
Kirche in Sornzig passieren. Die Unterstützung der politischen Gemeinde sei der Kirchgemeinde
gewiss.
Bleibt noch die Frage nach den Wünschen für die
Zukunft.
Die Ankurbelung der Konjunktur ist eine Grundvoraussetzung für die positive Entwicklung unserer
Region. Wir brauchen mehr Arbeitsplätze. Solange sich keine wesentliche Verbesserung auf dem ersten
Arbeitsmarkt abzeichnet, wollen wir mit 1,50-Euro-Jobs die Situation lindern helfen. Mittelfristig
geht es um eine Verbesserung der Verkehrsanbindung unserer Region, um damit auch die notwendigen
Rahmenbedingungen für die ansässigen Unternehmen zu schaffen und um für neue Unternehmen zu
werben.
Interview: Heinz Großnick